22/09/2026 0 Kommentare
Garten der Hoffnung
Garten der Hoffnung
# Wort zum Alltag

Garten der Hoffnung
„Wir sagen Freund und gut!“, sagt Manfred zu Omar und umarmt ihn. Der Syrer versteht zunächst nicht, was der Deutsche ihm sagen möchte. Aber als ihm schließlich klar wird, dass Manfred ihm seine Freundschaft anbietet, umarmt er ihn ebenso fest.
Das ist eine von vielen wunderbaren Szenen aus dem Dokumentarfilm „Garten der Hoffnung“. Der Mecklenburger Regisseur Dieter Schuhmann hat ihn gedreht. Er habe zeigen wollen, was vielen Menschen heute fehlt: Gemeinschaft, Verständnis und Empathie - kurz: Menschlichkeit.
Der Film erzählt die Geschichte eines Gemeinschaftsgartens, in dem Menschen zusammenkommen, die sich sonst nie begegnet wären. Schauplatz ist die Plattenbausiedlung auf dem Großen Dreesch am Rande der Stadt Schwerin. Zwischen den Hochhäusern ist vor Jahren ein Nachbarschaftsprojekt entstanden, bei dem Fremde gemeinsam gärtnern. Auf zwanzig Parzellen treffen regelmäßig Menschen aus fünf Nationen aufeinander. Und obwohl sie oft keine gemeinsame Sprache haben, verstehen sie sich. Und werden langsam von Fremden zu Nachbarn und Freunden.
„Wir haben hier eine zusammengewürfelte Truppe aus Leuten, die im Prinzip überhaupt nicht zusammenpassen“, sagt Manfred, der im Gemeinschaftsgarten so etwas wie die gute Seele ist. Zu ihm kommen alle, die etwas brauchen. Und er kümmert sich auch um die, die nicht fragen, aber dennoch Hilfe brauchen. Seit dem Tod seiner Frau lebt er allein. Einsam ist er Dank des Gartens nicht mehr so oft.
Ganz am Anfang dieser Welt, so erzählt es die Bibel, da pflanzt Gott auch einen Garten und setzt das Leben hinein: zuerst den Menschen und dann die Tiere als seine Gefährten. Das Paradies? Es kann nur ein Garten sein, ein Garten in Eden. Nein, ein Schlaraffenland ist dieses Paradies nicht. Mit dem Gottesgarten sind von Anfang an Auftrag und Hoffnung verbunden: Der Menschen soll ihn bebauen und bewahren. Und er soll lernen, das ihm anvertraute Leben zu lieben. Ich denke, wir haben bis heute daran zu tun.
Im Plattenbauviertel am Rande von Schwerin zum Beispiel, wo ein Stück Brachland zum Garten der Hoffnung wird. „Wir sagen Freund und gut!“, sagt Manfred zu Omar. Und dann halten sich die beiden Männer fest im Arm.
Pfarrer Henning Böger
Kommentare