04/11/2026 0 Kommentare
F - Fremde
F - Fremde
# Wort zum Alltag

F - Fremde
Nun haben wir nach dem Wochenende eine neue Sammelbezeichnung für eine bestimmte Menschengruppe im Wortschatz: „Migrantisches Milieu“.
Damit kann man Vieles beschreiben, einen Schulhof oder ein Wohnviertel, eine soziale Konstellation. Mit Blick auf die, die am Wochenende gemeint waren, ist die Formulierung ungenau und irreführend, beschädigt zu viele friedliche Bürger*innen in unserem Land.
Grund genug, danach zu schauen, wie es sich denn mit den Fremden in der Bibel verhält. Darum Bibelkunde: F – Fremde
Das Alte Testament unterscheidet genau, zunächst zwischen „Ausländern - nokri“, also denen, die sich nur vorübergehend in einem anderen Land aufhalten und Fremden, Letztere, die ein Wohnrecht haben und Schutz genießen, nennt man dagegen „ger“. „Ger“ kann man über Generationen sein.
Zuletzt gibt es die, die man auch damals kannte und benannte: „zar“.
Fremde Menschen, Feinde, von denen man sich lieber fernhielt.
Flüchtlinge hingegen sind Menschen in einem Übergangsstatus, das muss also vorbeigehen. Sie brauchen darum als Fremde kein eigenes Wort.
Klassische „Ausländer“ waren Söldner oder Kaufleute. Sie werden nur beiläufig erwähnt. Heikler wird ist die Zuordnung „Ausländer“im Zusammenhang mit denen, die das verheißene Land vor den Israeliten bewohnten. Ihre Kultur und Religion wird überaus kritisch bewertet und als Ursache für Israels Untreue gegenüber JHWH herangezogen. Darum galt ein strenges Vermischungsgebot.
Trotzdem zeichneten sich immer wieder sogenannte Ausländer durch große Treue und Verlässlichkeit aus. So sind es Kuschiter, die den unglücklichen Propheten Jeremia aus der Zisterne retten. „Ausländer“ sind es auch, so weissagt Jesaja, die Jerusalems Mauern wieder aufbauen und als Hirten, Weingärtner und Bauern dienen werden, damit das Land wieder blüht.
Ausländer waren die anderen.
Fremde hingegen waren die biblischen Väter Abraham, Isaak und Jakob genauso wie Mose in Ägypten selber. Ihre Erfahrung, fremd gewesen zu sein, prägt daher die Erinnerungskultur und auch den Umgang mit Fremden. Man war sich aus eigener Erfahrung bewusst, dass Menschen fasst immer zu Fremden werden, weil sie ihre Heimat verlassen mussten, nicht wollten – sie waren vom Hunger oder Krieg, schweren wirtschaftlichen Schieflagen bedroht. Darum sind die Fremden, wie die Israeliten selbst, Teil des Bundes Gottes mit seinem Volk und diesem in vielerlei Hinsicht (kultisch und sozial) gleichgestellt. Das bedeutete aber auch, dass von ihren erwartet wurde, den Sabbat zu heiligen, Speisegebote und Festtage einzuhalten, Gottes Namen nicht zu lästern.
Zuletzt war man sich ihrer Schutzbedürftigkeit sehr wohl bewusst.
Wie die Witwen und Waisen zählen sie zu den Schwachen.
So hat sich wenig geändert. Fremde sind kein Milieu. Sie sind Menschen.
Dompredigerin Cornelia Götz
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