19/08/2026 0 Kommentare
Endlich Regen!
Endlich Regen!
# Wort zum Alltag

Endlich Regen!
Am vergangenen Samstag gab es bei der Leichtathletik-EM einen neuen Weltrekord im Schwimmen. Der 19jährige Magdeburger Johannes Liebmann, ein Nachbar quasi, brauchte für die Strecke von 1500 Meter nur 14 Minuten und 26 Sekunden. Der sympathische junge Mann freute sich sehr, blieb aber dennoch bescheiden. Auch wenn man, so wie ich, sportlich nicht übermäßig interessiert ist, kann man sich bei so etwas gerne und von Herzen mitfreuen. Ein neuer Weltrekord!
Von Rekorden ganz anderer Art bekommen wir auch regelmäßig berichtet: Der heißeste Tag in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der größte Wald- und Flächenbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Einer der trockensten Sommer der letzten knapp 150 Jahre.
Und dann heute Morgen: Endlich Regen! Es klingt schon komisch, wenn einem solche Ausrufe in unseren Breiten durch den Kopf gehen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir Regentagen im Sommer schöngeredet haben: Na, es muss ja auch mal regnen. Und so schlimm ist es ja gar nicht. Dass uns Regentage heute beinahe zu Freudenausbrüchen veranlassen, ist hingegen komisch fremd. Noch!
Das wirklich Schräge an alledem: Wir wissen ja, was die Ursachen sind für steigende Temperaturen, Extremwetterlagen, konstant hohe Waldbrandgefahr und Dürre. Vorübergehend schlechtes Wetter ist es definitiv nicht. Es ist der Klimawandel, dessen primäre und sekundäre Auswirkungen unsere Welt zum Schlechten verändern. Wir können zusehen – live und in Farbe! Die Wissenschaft erklärt und mahnt und alarmiert – wir Menschen reagieren eher behäbig. Und manche bezeichnen es ganz dreist als Lüge, dass eins und eins zwei ergibt. Und es gibt erschreckend viele, die ihnen das glauben.
„Die Besitzgier, die die Erde verwüstet – Vater vergib“, so werden wir gleich miteinander beten. Ja, es ist gut, dass wir so beten. Denn damit erkennen wir unsere Verantwortung an für das, was passiert. Der christliche Fachbergriff dafür ist „Buße“. Doch idealerweise folgt nach der Buße, also dem Anerkennen, dass da was nicht so gelaufen ist, wie es hätte laufen können und sollen, die Umkehr.
Gott hat uns alle mit Vernunft begabt – in unterschiedlicher Ausprägung zwar, aber immerhin. Wir hätten als Menschheit vielleicht noch die Chance, durch eben diese Vernunft, unser Können und ein gerüttelt Maß an Gottvertrauen Schlimmeres von dieser Welt abzuwenden und insbesondere jene zu schützen, wie am wenigsten für den Klimawandel können, aber am meisten unter ihm leiden.
Wir haben uns mit Johannes Liebmann über seinen Erfolg beim Schwimmen gefreut. Wie schön wäre es, wenn wir uns demnächst über Erfolge beim Klimaschutz und der Klimagerechtigkeit freuen könnten, um dann zu beten:
„Wir haben unsere Verantwortung angenommen und mit Deiner Hilfe getan, was zu tun war – Vater, Danke!“
Prädikant Heiko Frubrich
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