20/10/2026 0 Kommentare
Das Leben ist ein Spiel
Das Leben ist ein Spiel
# Wort zum Alltag

Das Leben ist ein Spiel
Die spanische Stadt Cacabelos ist eine Gemeinde die am Jakobsweg liegt. Dort gibt es in einer kleinen Kirche ein Bild, das einen verwundert, aber wahrscheinlich eher lächeln lässt. Auf dem Bild ist das Jesuskind zu sehen, dass mit dem heiligen Antonius Karten spielt!
Ein ungewöhnliches Motiv. Jesus und ein Heiliger beim Kartenspiel? Darf man sich das Göttliche so menschlich vorstellen? Offenbar ja. Vielleicht steckt in diesem Bild sogar eine tiefe Wahrheit: Gott ist uns nicht nur in den großen, ernsten und feierlichen Momenten nahe. Er begegnet uns auch mitten im Leben – in unserer Freude, in unserem Lachen und in den scheinbar alltäglichen Dingen.
Mir fällt dazu ein Lied ein: „Das Leben ist ein Spiel, und wer es recht zu spielen weiß, gelangt ans große Ziel.“ Wie oft habe ich diese Zeilen früher bei den Pfadfindern gesungen, ohne lange darüber nachzudenken. Und doch steckt eine Menge Lebensweisheit darin.
Denn das Leben ist tatsächlich ein wenig wie ein Kartenspiel. Wir können uns unsere Karten nicht immer aussuchen. Manchmal bekommen wir gute Karten: Gesundheit, Glück, Freundschaft und Menschen, die uns begleiten. Und manchmal liegen Karten auf der Hand, die wir uns lieber erspart hätten: Krankheit, Enttäuschung, Abschied oder Sorgen.
Wir haben nicht alles in der Hand. Aber wir können entscheiden, wie wir mit dem umgehen, was uns gegeben ist, halt welche Karten wir ausspielen oder doch lieber behalten. Ob wir verbittert werden oder Hoffnung bewahren. Ob wir nur auf unseren eigenen Vorteil bedacht sind oder auch die anderen im Blick behalten. Ob wir aufgeben oder darauf vertrauen, dass unser Weg noch eine Wendung bereithält.
Dabei bedeutet das Leben recht zu spielen nicht, immer gewinnen zu müssen. Es bedeutet vielmehr, ehrlich zu bleiben, fair miteinander umzugehen, Niederlagen auszuhalten und anderen etwas zu gönnen.
Und vor allem: Nicht zu vergessen, dass wir dieses Spiel nicht allein spielen. So glauben wir, dass Gott mit uns unterwegs ist. Auf den geraden und den steinigen Wegen. Auch dann, wenn wir nicht verstehen, warum uns bestimmte Karten zugeteilt wurden. Der Jakobsweg erinnert uns daran: Nicht nur das Ziel ist wichtig. Auch der Weg dorthin zählt. Die Begegnungen, die Erfahrungen, die kleinen Zeichen der Hoffnung am Wegesrand.
Vielleicht möchte uns das Bild aus Cacabelos genau daran erinnern: Wir dürfen das Leben ernst nehmen, ohne es allzu schwer zu nehmen. Wir dürfen lachen, spielen und uns freuen. Denn Gott ist kein ferner Zuschauer, der streng über unsere Fehler Buch führt. Wir dürfen ihm vertrauen, dass seine Liebe uns trägt – auch wenn wir uns einmal verspielen.
Und so gehen wir unseren Weg, spielen Karte für Karte aus, Tag für Tag, im Vertrauen darauf, dass Gott uns begleitet und unser Leben in seinen Händen hält.
Prädikant Marc Bühner
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