01/10/2026 0 Kommentare
D - Dattel
D - Dattel
# Wort zum Alltag

D - Dattel
Eine über 100-Jährige danach befragt, was sie eigentlich so lange fit gehalten hat, antwortete: „Kniebeugen und Datteln“.
Datteln? Zu der Zeit kannte ich nur die als Trockenobst verkauften zähen braunen Teile mit dem großen Kern und konnte mir nicht vorstellen, dass diese Früchte so viel hermachen können.
Aber dann hat unser Domvogt Ghassan Maghames mir eines Tages zwei Datteln mitgebracht: groß, mehlig, wunderbar köstlich und seither gehören zwei Datteln vom Wochenmarkt zu unseren Alltagsfreuden.
Also steige ich kurz vor dem Erntedankfest und der Fülle der Früchte an diesem Tag wieder in die Bibelkunde ein: D - Dattel
Datteln waren im antiken Palästina wegen ihrer Süße ein beliebtes Nahrungsmittel: Sie wurden frisch oder getrocknet gegessen und zu einem honigartigen Sirup verarbeitet. Da in biblischer Zeit Zucker unbekannt war, nahm der kohlenhydrathaltige Dattelsirup einen wichtigen Platz unter den Nahrungsmitteln ein. Womöglich war also das „Land, wo Milch und Honig fließen“ eines, in dem nicht Honig sondern Dattelsirup die Fülle vorhanden war.
Dennoch – in unserer Bibelübersetzung kommen die Datteln gar nicht so oft ausdrücklich vor. Wir müssen sie uns wohl immer dann denken, wenn von „Honig“ die Rede ist.
Die arabische Welt hingegen kennt eine Legende, wonach Allah ganz am Ende der Schöpfung die Dattel und das Dromedar machte. Erst mit diesen beiden war sein Werk vollkommen. Darum wussten Wüstenreisende um die Nahrhaftigkeit der Datteln – am besten genossen mit Dromedarmilch.
Und sorgt die in Datteln enthaltene Aminosäure Tryptophan für gute Laune und Appetit; hat eine beruhigende Wirkung auf die Nerven und bewirkt als Vorstufe von Serotonin, dem Glückshormon, Stresstoleranz und einen guten Schlaf. Das war und ist auch den Beduinen bekannt, so dass manche auch heute noch vor dem Schlafengehen eine Dattel verzehren.
Und wer schon beim Fastenbrechen der Muslime zu Gast war, weiß, dass es nach Sonnenuntergang und Gebet - vor dem großen Essen - immer erst eine Dattel gibt – eine besonders gut.
Kein Wunder also, dass man mit Datteln leichter hundert Jahre alt wird als ohne. Und höchstwahrscheinlich ist es der Dattelsirup, der neben Weizen, Gerste, Trauben, Feigen, Granatäpfeln und Oliven zu den sieben Kostbarkeiten des verheißenen Landes zählt.
Dompredigerin Cornelia Götz
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