Beten...

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# Wort zum Alltag

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Beten Sie eigentlich? Regelmäßig? Manchmal?
Wer hat Ihnen das Beten beigebracht? Vielleicht Ihre Eltern. Vielleicht die Mutter, die sich abends ans Bett setzte und mit Ihnen sprach: „Ich bin klein, mein Herz mach rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.“ oder „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu. Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein.“
Vielleicht haben Sie ganz andere Gebete gelernt. Vielleicht ein Tischgebet: „Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns aus Gnaden bescheret hast.“
Vielleicht beten Sie heute mit ganz eigenen Worten. Vielleicht sind Sie aber auch schon lange verstummt.
Beten – wenn wir es tun, wann tun wir es eigentlich? Doch oft erst dann, wenn wir nicht mehr weiterwissen.
So ähnlich ist es bei den Jüngern. Jesus ist mit ihnen im Garten Gethsemane. Er weiß, was vor ihm liegt: Verrat, Verhaftung, Kreuz und Tod. Die Angst ist greifbar. Und mitten in diese Situation hinein sagt er zu seinen Jüngern: „Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt.“ (Lukas 22,40)
Jesus sagt nicht: "Habt keine Angst." Er sagt auch nicht: "Ihr schafft das schon." Er sagt: "Betet."
Denn im Gebet richtet sich unser Herz neu auf Gott aus. Beten verändert nicht immer sofort unsere Umstände. Aber es verändert uns. Es erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind.
Die Jünger hatten Jesus schon einmal gefragt: „Herr, wie sollen wir beten? Lehre uns beten.“ Denn sollten sie so beten, wie sie es von ihren Eltern und den Lehrern Israels gelernt hatten? Oder ganz anders? Jesus sprach so vertrauensvoll von Gott, dass sie unsicher wurden: Gelten unsere alten Gebete noch oder brauchen wir neue Worte?
Jesus antwortet ihnen nicht mit einer langen Erklärung. Er schenkt ihnen ein Gebet. Ein Gebet, das seit Generationen Menschen durch Freude und Leid trägt und das bis heute Christen auf der ganzen Welt verbindet: das Vaterunser.
„So sollt ihr beten“, sagt Jesus. „Vater unser im Himmel…“
Und wie jedes Gebet endet auch dieses mit dem Wort „Amen“. Das heißt: „Ja, so soll es sein.“
Was für ein kostbares Geschenk! Jesus lässt uns nicht ratlos zurück. Er zeigt uns den Weg zu seinem, zu unserem Vater. Mit vertrauten Worten oder mit ganz eigenen – entscheidend ist nicht die Form, sondern dass wir beten.
Und heute Abend dürfen wir noch mehr tun als beten. Wir sind eingeladen an den Tisch des Herrn. Im Abendmahl kommt Christus selbst zu uns. Er lädt uns ein mit allem, was wir mitbringen: mit unserem Glauben und unseren Zweifeln, mit unserer Dankbarkeit und unserer Schuld, mit unserer Freude und unserer Müdigkeit. Wir müssen nicht stark sein. Wir müssen nicht alles im Griff haben. Wir dürfen kommen.
Vielleicht ist das Abendmahl heute selbst ein Gebet – ohne viele Worte. Wir nehmen Brot und Wein in Empfang und lassen uns zusprechen: „Christi Leib, für dich gegeben. Christi Blut für dich vergossen.“ So stärkt er uns für den Weg, der vor uns liegt.
Und wenn wir gleich miteinander das Vaterunser beten, dann sprechen wir nicht nur alte, vertraute Worte. Dann verbinden wir uns mit Jesus selbst, der uns dieses Gebet geschenkt hat und der uns heute an seinen Tisch ruft. Und vielleicht beten wir es heute einmal ganz bewusst – langsam, mit dem Herzen und mit offenen Händen vor Gott.


Prädikant Marc Bühner

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