B - Brief

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# Wort zum Alltag

B - Brief

Wann haben Sie den letzten „richtigen“ Brief geschrieben?
Oder bekommen? Haben Sie eine Briefmarke im Haus und wissen Sie auch, wo der nächste Briefkasten ist und wann er geleert wird?
Es ist noch nicht lange her, dass Briefe aus Papier, per Hand oder mit der Maschine geschrieben, normal, per Luftpost, Einschreiben oder express versendet, zu unserem Alltag gehörten.
Wohl dem, der noch einen richtigen Liebesbrief gekriegt hat.
Inzwischen schreiben wir Mails mit dem Briefumschlag als Piktogramm – aber denen fehlt die sorgfältige Behäbigkeit und auch das Mailen veraltet Zusehens. Wer weiß also, wie lange es noch dauert, bis der Hinweis im Gottesdienst, der zu lesende Text stamme aus einem „Brief“ des Paulus, auf ratlose Gesichter trifft.
Darum also heute Bibelkunde: B - Brief
Briefe ermöglichten Kommunikation zwischen Menschen, die räumlich getrennt leben. Diesbezüglich hatten sie lange ein Alleinstellungsmerkmal. Man schrieb auf Ton, Wachs, Papyrus oder Leder und teilte Menschen außer Hörweite so Privates und politische Entscheidungen, Beschwerden, Testamente, Verträge oder Nachrichten für einen größeren Personenkreis mit. Während des römischen Reiches schließlich konnten Briefe auch philosophische Trakte werden – im langsamen Hin und Her entstand der Dialog.
Im Alten Testament kommen Briefe durchaus vor – aber sie tauchen dort im Zusammenhang von Erzählungen auf. So schickten im 2. Buch der Könige der König von Aram oder Jehu jeweils Briefe, die mit der Formel beginnen: „Wenn dieser Brief zu dir kommt, dann…“. Bei Daniel schreibt König Darius an alle Völker: „Viel Friede zuvor! Das ist mein Befehl, dass man überall in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels fürchten und scheuen soll.“
Im Neuen Testament hingegen bekommt der Brief als eigene literarische Gattung ganz neue Qualität und Bedeutung. 22 der 27 Schriften des Neuen Testamentes sind Briefe. Paulus begleitete durch sie die jungen Gemeinden, indem er ihnen schrieb; dabei verwendete er äußere Formen, die er von jüdischen Gemeindebriefen kannte – ihre Grußformeln haben wir noch immer im Mund: „Gnade sei mit Euch und Friede…“.
Die Bibel schließt mit einem Brief, den Jesus Christus selbst diktiert und der deshalb beansprucht, Gottes Wort zu sein: mit der Offenbarung des Johannes. Und allen diesen Briefen ist gemeinsam: sie sind adressiert. An uns.
Zuletzt:
Emily Dickinson, eine passionierte Briefschreiberin schon beinahe unserer Tage schrieb: „Ich kenne nichts auf der Welt, das eine solche Macht hat, wie das Wort. Manchmal schreibe ich eines auf und sehe es an, bis es beginnt zu leuchten."
Darum ist es gut, dann und wann einen Brief zu lesen.
Aus dem Briefkasten oder aus der Bibel.


Dompredigerin Cornelia Götz

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