26/10/2026 0 Kommentare
Auf der Suche
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# Wort zum Alltag

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Uns wird als Kirche ja immer mal wieder vorgeworfen, wir würden unser Fähnchen zu sehr in den Wind hängen und uns dem sogenannten Zeitgeist oder auch dem Mainstream anpassen, um dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken, um nicht anzuecken oder nicht als rückwärtsgewandt zu gelten. Dabei kommt die Kritik aus ganz verschiedenen Ecken. Da sind zum einen jene, die in unterschiedlichsten Abstufungen großen Wert auf ihre unbedingte Bibeltreue legen. Je nach Grad der Überzeugung geht es soweit, jeden Vers der Bibel wortwörtlich als historischen Bericht zu verstehen.
Eine andere Gruppe von Kritikern besteht aus solchen Menschen, denen die Botschaft der Kirche nicht in den Kram passt, weil sie unbequem und entlarvend ist. Die drohen dann damit, den großen Kirchen den Geldhahn abzudrehen, um sie mundtot zu machen.
Ich persönlich bin meinem Schöpfer für vieles dankbar, in besonderer Weise aber für die Freiheit, die er mir geschenkt hat – und Ihnen im Übrigen ja auch. Wir können in unserem Leben in großem Umfang schalten und walten, wie wir es für richtig halten. Das gilt auch für die Auslegung der Bibel. Und Auslegungsmöglichkeiten und Spielräume lässt uns das Buch der Bücher in großem Maße. Wenn es im 31. Psalm heißt: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, dann empfinde ich das im Wortsinne so, wenn ich die Bibel lese. Denn sie ist, anders als die Bedienungsanleitung meines Toasters keine dezidierte Handlungsanweisung für jede nur denkbare Lebenssituation. Sie gibt Orientierung, sie gibt Leitplanken vor, doch abwägen, entscheiden und umsetzen muss beziehungsweise darf immer noch ich.
Aber wie weit darf man gehen? Wo verlasse ich den von Gott vorgegebenen Korridor und fange an, mir meine eigene Religion und meinen eigenen Glauben zu basteln? Wo beginnt der Bereich, in dem ich Gottes Wort bewusst oder unbewusst so verbiege, dass es mir mein eigenes Leben erleichtert und mich auch auf Abwegen rechtfertigt?
Für mich persönlich sind das die Fragen, die mich begleiten, seitdem ich glaube. Finale Antworten habe ich nicht gefunden und ich fürchte, dass es die auch nicht gibt. Ein Christenmensch zu sein, bedeutet wahrscheinlich auch, immer auf der Suche zu sein – nach dem richtigen Weg, den richtigen Entscheidungen, der richtigen Haltung. Doch oft ist es kaum möglich, zu sagen, was überhaupt richtig ist.
Jesus Christus hat mit dem Blick auf die hebräische Bibel des Alten Testaments gesagt, dass er gekommen ist, nicht um zu verwerfen, sondern um zu erfüllen. Und er hat erklärt und ausgelegt und versucht, in Gleichnissen den Inhalt des göttlichen Willens zu verdeutlichen. Doch selbst er, Christus höchstpersönlich, durchlebte Momente der Verunsicherung, des Fragens und der Zweifel – in der Wüste, im Garten Gethsemane, am Kreuz.
Was ihn immer getragen hat, war sein Gottvertrauen, sein Vertrauen darauf, dass Gott ihm den richtigen Weg zeigen und ihn auf diesem Weg begleiten würde. Und sein Vertrauen wurde nicht enttäuscht. Dieses Gottvertrauen kann, so denke ich, auch unser Lebenskompass sein, der uns hilft, das Ruder auch mal loszulassen und in Gottes Hand zu legen, wie es mit uns weitergehen kann und soll. Dieses fragende Loslassen nennen wir beten und wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott uns zuhört, weil wir ihm wichtig sind – Sie und Du und ich.
Prädikant Heiko Frubrich
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