Bibelkunde 3.0: A - Abendmahl

Bibelkunde 3.0: A - Abendmahl

Bibelkunde 3.0: A - Abendmahl

# Wort zum Alltag

Bibelkunde 3.0: A - Abendmahl

Am Abendmahl können Christ*innen einander erkennen – es gehört zu unserem Glaubenskern, wie die Taufe und das Vaterunser. Und wie bei der Taufe gehört zum Abendmahl nicht nur ein Bibelwort, ein Jesuswort, sondern auch ein Zeichen: das Teilen von Brot und Wein.
Ob es Wein sein muss, ist eine Frage, die wir im Moment im Kirchenvorstand diskutieren. Es spricht Einiges dafür, denn während des Passahfestes gab es keinen frischen Most und manche Bilder für die eschatologische Erwartung, die Hoffnung für das Ende der Zeit, erzählen eben ausdrücklich vom Wein als Zeichen der Fülle und Vollkommenheit. Aber ja: es gibt auch noch seelsorgliche und ökumenische Fragen – dazu vielleicht mehr unter W - Wein.

Heute geht es erstmal um A – Abendmahl.
Zunächst muss man bedenken: für die Menschen der Bibel gehörte wirklicher quälender Hunger zum Leben dazu. Darum baten sie um das tägliche Brot, teilten es, erzählten sich Wunder davon, dass in Jesu Nähe alle satt werden.
Und auch: Zum ersten Abendmahl gehört das Passahfest. Jesus war – genau wie die, mit denen er Leben teilte, Jude. Darum erinnerten sie einander beim Essen an ihre Vorfahren, die noch Sklav*innen in Ägypten waren und miteinander aßen EHE sie mit Mose aufbrachen und in die Freiheit zogen. Sie hatten es eilig und deshalb keine Zeit für den komplizierten Sauerteig oder langsam gärenden Hefeteig. Aber mit dieser gemeinsamen Mahlzeit, mit diesem Brot, rüsteten sie sich für den Weg in die Freiheit. Es machte nicht nur körperlich satt.
Sie aßen es auch voller Erwartung!  
Freiheit und Versöhnung beginnen damit, dass Menschen etwas erwarten und erhoffen, dass sie sich vorstellen können, dass es nicht so bleiben muss, wie es ist. Darum sind das Passahmahl und das Abendmahl durch das Momentum verbunden: den Abend davor.
So war es auch als Jesus mit den Seinen aß, Brot und Wein teilte, das Abendmahl einsetzte: es war am Abend davor: ehe er verraten und hingerichtet wurde.
Eigentlich war es eine aussichtslose Lage, eine nahezu hoffnungslose Situation – aber ehe alle denken, dass wir an uns und mit unseren Träumen von Frieden und Gerechtigkeit ohnehin immer scheitern werden, füllt JC das alte Ritual mit neuem Leben, mit seinem Leben und sagt damit:
Dieses Brot, dieser Wein, das was Euch verbindet und an die Armen erinnert, das was Euch Frieden mit Euch selbst schenkt – das bin alles ich: Brot des Lebens, Kelch des Hells. Nehmt und esst und trinkt und dann geht los. Das Land ist hell und weit.


Dompredigerin Cornelia Götz                                                                 

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